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Dokumentation
des Projektes zur Aufnahme der
»dreistufigen Volksgesetzgebung«
in das Verfassungsrecht
der Bundesrepublik Deutschland
- Durch Petitionen oder durch
Gesetzentwürfe von Parteien initierte parlamentarische Vorgänge
ab 1983 bis zur Gegenwart -
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· Einleitung

· 1983 - 1987 10. Legislatur
· Exkurs:
Entwicklungen 1948/48-1983 
· 1987 - 1990 11. Legislatur

· 1990 - 1994 12. Legislatur

· 1994 - 1998 13. Legislatur

· 1998 - 2002 14. Legislatur

· 2002 - 2005 15. Legislatur

· 2005 ff ........16.
Legislatur 
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| Einleitung
Auf dieser Seite dokumentieren wir alle parlamentarisch
und außerparlamentarisch initiieren Vorgänge, die in
der Geschichte der Bundesrepunlik Deutschland zur Frage der plebiszitären
Demokratie im Deutschen Bundestag eine Rolle gespielt haben. Es
ist dies damit auch die Dokumentation von sieben Petitionen,
die, je nach zeitgeschichtlichem Umfeld, unter verschiedenen Namen
das Projekt »dreistufige Volksgesetzgebung« an die
Volksvertretung herangetragen haben. Dabei sind in die jeweiligen
Initiativen immer auch alle neuen, zwischenzeitlich erreichten
Erkenntnisfortschritte eingeflossen.
Die erste Petition und ihre Begründung zeigen
den Beginn der Arbeit, als wir uns - z. B. in der einschlägigen
wissenschaftlichen Literatur - auf keine brauchbaren Vorarbeiten
stützen konnten.
Auch für dieses Arbeitsfeld sind damals wichtige
Anstöße für die Revision eingefahrener, aber unhaltbar gewordener
Positionen ausgegangen. Im Mittelpunkt der Petition stand die
Auseinandersetzung mit der verfassungsrechtlichen Frage der Stellung
des Artikels 20 Absatz 2 in der Rechtslogik des Grundgesetzes.
Außerdem wird zum ersten Mal in der Ideengeschichte der direkten
Demokratie die Konzeption der »dreistufigen Volksgesetzgebung«
entwickelt und in Form eines Gesetzesvorschlages normativ dargelegt.
Auf Bundesebene ist
das Ziel noch nicht erreicht. Aber auch hier hat es Fortschritte
gegeben. Lehnten 1984 – von einzelnen Abgeordneten abgesehen
– noch alle im Bundestag vertretenen Fraktionen unsere Petition
ab, ist die dreistufige Volksgesetzgebung inzwischen - mit Ausnahme
der CDU/CSU - von allen anerkannt. Dennoch bleiben wir bei unserer
von Anfang an vertretenen Ansicht, dass sich der parlamentarische
Gesetzgeber erst dann für eine wesensgemäße
Ordnung der Volksgesetzgebung öffnen wird,
wenn es gelänge, dass nicht nur einige, sondern vielleicht zehn
Millionen Stimmberechtigte oder mehr sich mit ihrer Willensbekundung
der Forderung anschlössen.
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Darum haben wir für den aktuellen Schritt
der Entwicklung den Vorschlag für eine
gemeinsame Vorgehensweise, die
relativ leicht zu diesem Ergebnis führen könnte, unterbreitet
und bitten alle, denen das Anliegen auch wichtig ist, sich zu
beteiligen und auch in ihrem jeweiligen Umfeld darauf hinzuweisen.
[ volksgesetzgebung-jetzt.de]
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1983 - 1987 / 10. Legislatur [6.3.83-18.2.87]
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Der Auftakt: Anzeige in der Wochenzeitschrift
»Die Zeit« Nr. 1/84 vom 30. Dezember
1983
zum
Text der Zeit-Anzeige [pdf - 210 KB]

Menschenkette zwischen Stuttgart
und Ulm
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Die erste Petition [1983/84]
Das Projekt »Einführung der dreistufigen
Volksgesetzgebung« ist während der letzten Phase der Kampagne
der Friedensbewegung gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen
auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland entstanden.
Durch den ehemaligen Richter am Bundesverfassungsgericht Simon
kam im November 1982
bei einem evangelischen Kirchentag der Gedanke in die Debatte,
es solle der Bevölkerung mit einer Volksbefragung
die Gelegenheit gegeben werden, in der Stationierungsfrage den
demokratischen Mehrheitswillen festzustellen.
Mit einer Volksbefragung
deshalb, weil die »herrschende Meinung«, der auch Simon und die
Grünen im Bundestag folgten, war, das Grundgesetz erlaube
die Durchführung eines Volksentscheides
nicht bzw. nur auf dem Weg einer Verfassungsänderung, was aber
wegen der dafür erforderlichen parlamentarischen Zweidrittelmehrheit
ein aussichtsloses Unterfangen sei.
Gesetzentwurf
der Grünen »zur Durchführung einer Volksbefragung
zur Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen in der
BRD«,
vom 24. 10. 1983 [pdf - 415
KB]
Hermann
Scheer, Der Volksentscheid muss die Ausnahme bleiben, vom 15.
9.1983 [pdf -24 KB]
Hans A. Engelhardt
[Bundesjustizminister], Volksbefragung wäre verfassungswidrig,
vom 12. 11. 1983 [pdf 106 KB]
R.
Peter Dach, Verfassungsrechtliche Aspekte der konsultativen Volksbefragung
[pdf - 1,6 MB]
[Dieser Text wurde 1983 verfasst aber
erst 1987 publiziert]

Die Bildung von »Menschenketten«
am 22. Oktober 1983 mit bundesweit über einer Million Teilnehmerinnen
und Teilnehmern war der Höhepunkt der Kampagne gegen die
Stationierung von Mittelstreckenraketen.
Quelle: Website
von Udo Leuschner
Siehe auch: Zur
»Friedensbewegung« in den neunzehnhundertsiebziger
und -achtziger Jahren
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Die Kampagne gegen die Nachrüstung warf ein bezeichnendes
Licht auf das politische Bewusstein dieser Jahre, das sich aber
bis heute nicht wesentlich geändert hat: Mit allem damit
verbundenen Aufwand demonstrieren gelegentlich Hunderttausende,
aber die meisten von ihnen bringen nicht den Willen auf, diesen
für das Ziel der Volksgesetzgebung zu bekunden, durch das
sich all das immer wieder ergebnislose Demonstrieren, Lamentieren
und Kritisieren erübrigen bzw. in konstruktive Bahnen lenken
ließe. In dieser Hinsicht waren die Ereignisse des Jahres
1983 symptomatisch.

Heiner
Geißler [Bundesfamilienminister und Generalsekretär
der CDU], Plebiszite verhindern die Politik
in: Rheinischer Merkur, 2. 12. 1983 [pdf 136 KB]
Berichtigung der Urteile über die Grundlagen unserer »staatlichen
Ordnung«
vom 19. 10. 1983 [pdf - 32 KB]
Diese verfassungsrechtliche Beurteilung,
wie sie in den Stellungnahmen von Engelhardt und Dach zum Ausdruck
kam, wurde in der Bundesrepublik Deutschland bis dahin noch nie
ernsthaft in Frage gestellt bzw. einer Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht
unterzogen. Zwar wurde während der neunzehnhundertfünfziger,
-sechziger und -siebziger Jahre mehrfach die Forderung
laut, das Abstimmungsrecht des Volkes zu ermöglichen ...... [Fortsetzung
nach Exkurs 
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Exkurs
Wir fügen an dieser Stelle einen Exkurs ein, um mit
wenigen Stichworten und einigen Quellen zu dokumentieren,
wann und wie in der Geschichte der BRD bis zur ersten Petition
der »Aktion Volksentscheid« 1983 der Gedanke
der plebiszitären Demokratie im politischen Raum
parlamentarisch und außerparlamentarisch in
Erscheinung getreten ist. Die Befassungen mit dem Thema
in einschlägigen wissenschaftlichen und speziell staats-
oder verfassungsrechtlichen Publikationen dokumentieren
wir an anderer Stelle der Website oder verweisen auf Texte,
die zum operativen Zusammenhang unseres Projektes, die dreistufige
Volksgesetzgebung zu ermöglichen, gehören [z.
B. das »Achberger« und der »Weimarer Memorandum«
u. a.
Flankierende
Texte].
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1. Nach den kontroversen
Diskussionen im Parlamentarischen Rat 1948/49
über die plebiszitäre Demokratie [Näheres
dazu siehe »Achberger Memorandum« S. 7 ff
und »Weimarer Memorandum« S. 23 ff ],
kam es im Deutschen Bundestag im April
1951 im Zusammenhang mit der Kontroverse über
die Wiederbewaffnung in der Bundesrepublik zu einer ersten
Debatte über dieses Element. Martin Niemöllers
Vorschlag für eine Volksbefragung über die
Absicht der Remilitarisierung stieß auf breite und
starke Unterstützung.
Am 7. Februar 1951 fand
in Essen ein »Friedenskongress« statt, und eine
siebenköpfige Abordnung überbrachte die Forderung
nach einer Volksbefragung in Bonn. Sie wurde von
Adenauers persönlichem Referenten empfangen. Doch die
Antwort war Schweigen. Bonn reagierte erst, als am 14.
April ebenfalls in Essen ein »Zentraler Ausschuß«
zur Durchführung einer Volksbefragung auf eigene Faust
gegen die Remilitarisierung der BRD gebildet wurde [s. »Weimarer
Memorandum« S. 28 f und
Website
der »Friedenskooperative« ],
wie sie auch die damalige Vorsitzende der konservativen
Zentrumspartei, Mitglied des Parlamentarischen Rates und
Mitglied des Deutschen Bundestags, die Katholikin Helene
Wessel forderte.
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Helene Wessel im Deutschen
Bundestag 1949 in ihrer Antwort auf Adenauers erste Regierungserklärung
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Die Fraktionen der CDU/CSU, FDP, DP und BP brachten daraufhin
im Bundestag am 24. April
eine »Interpellation« gegen diese, »verfassungswidrige
Volksabstimmung« ein.

Interpellation
der Fraktionen der CDU/CSU, FDP, DP und BP und regierungsamtliches
Verbot der Volksbefragungsinitiative,
vom 24. April 1951 [pdf - 56 KB]
Plakat der Westdeutschen
Frauenfriedensbewegung gegen die Wiederbewaffnung [1951-1955].
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Der Bundestag debattierte darüber
am 26. April. Der Sprecher der Bundesregierung, Innenminister
Robert Lehr [Nachfolger des wegen Adenauers Remilitarisierungspolitik
am 9. Oktober 1950 zurück-
und aus der CDU ausgetretenen Gustav Heinemann], sah in
dieser nichtamtlichen Initiative »einen Angriff
auf die verfassungsmäßige Ordnung des Bundes«.
Und so wurde sie kurzerhand durch einen Regierungsbeschluss
verboten. Trotz des Verbotes sprachen sich bis zum 16.
März 1952 mehr als neun Millionen Bürger
gegen die Remilitarisierung aus. [Die Möglichkeit,
gegen das Verbot mit einer Verfassungsklage vorzugehen,
bestand noch nicht, weil das Bundesverfassungsgericht
seine Tätigkeit noch nicht aufgenommen hatte.]
Bundestagsdebatte
über die Volksbefragungsinitiative,
vom 26. April 1951 [pdf - 2,6 MB]

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Titelbild der Erstausgabe
von Rudolf Steiners Schrift »Die Kernpunkte der Sozialen
Frage«

Peter
Schilinskis Initiative für eine Volksabstimmung gegen
die Wiederbewaffung
von 1951 [pdf - 190 KB]
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2. In
diesem politischen Zusammenhang startete der fünfunddreissigjährige
Berliner Volkspädagoge und spätere Herausgeber
der Monatszeitschrift "Das mitteleuropäische Deutschland",
Peter Schilinski, 1951
seinerseits eine überparteiliche Initiative für
eine Volksabstimmung gegen die Remilitarisierung
in beiden deutschen Staaten .
Er verband damit aber anders auch als zum Beispiel
die SPD im Rahmen der Kampagne gegen die Atombewaffnung
der Bundeswehr mit ihrer Gesetzesinitiative für eine
Volksbefragung vom 25.
März 1958, mit welcher
sich der Bundestag in vier Sitzungen [am 18. 4., 24. 4.,
25. 4. und 13. 6.] befasste [für den politischen Kontext
s. die oben bereits zitierte Quelle auf der
Website
der »Friedenskooperative«] grundsätzlichere
Überlegungen zur direkten Demokratie. 
Diese wurden dann ein Jahrzehnt später
in der Zeit der Außerparlamentarischen Opposition [APO,
1968/70]
erstmals konstitutiv relevant bei jener von Peter Schilinski
und Wilfried Heidt inaugurierten Strömung [»Demokratische
Union« ],
welche sich parallel zum »Prager
Frühling« [1968]
auch
im Westen für einen »dritten Weg« im Sinne
eines »freien und demokratischen Sozialismus«
engagierte, dessen Wurzeln auf Rudolf Steiners Idee
einer »Dreigliederung des sozialen Organismus«
zurückgehen.
[s. Rudolf Steiner: Die Kernpunkte der Sozialen Frage, Ausgabe
1996 mit einem Nachwort von Otto Schily ]
Antrag
der Fraktion der SPD: Entwurf eines Gesetzes zur Volksbefragung
wegen einer
atomaren Ausrüstung der Bundeswehr,
vom 25. März 1958 [pdf - 84 KB]
Die einschlägigen Bundestagsdebatten
1958:
18.
April 1958 [pdf - 1,2
MB]
24.
April 1958 [pdf - 13 MB]
25.
April 1958 [pdf - 11 MB]
13.
Juni 1958 [pdf - 12 MB]
Das
»Plebiszit« im System des Grundgesetzes nach
den Beratungen im Parlamentarischen Rat [der Verfasser Hans
Holtkotten war Mitglied des Allgem. Redaktionsauschusses
des Parlamentarischen Rates],
vom 16. April 1958 [pdf - 142 KB]
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Demokratische
Union - DU wie Dubcek,
in: Der Spiegel Nr. 14/1969 [pdf - 170 KB]
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Tagungseinladung:
An der Schwelle einer neuen Gesellschaft: Prager Frühling
1968,
1973 [pdf - 367 KB]
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Wilfried
Heidt, Freiheit Demokratie Sozialismus, Januar
1972 [pdf - 375 KB]
Wilfried
Heidt, An der Schwelle einer neuen Gesellschaft - Internationale
Sommertagung: Fünf Jahre Prager Frühling 1968,
Januar 1973
[pdf - 103 KB]
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Wilfried
Heidt, Anregungen zur Gründung einer »Ständigen
Konferenz Dritter Weg«, Januar 1973
[pdf - 125 KB]
Wilfried
Heidt, Die Chance der Befreiung -
Eine Meditation in exoterischer Absicht. Ideen zur Emanzipation
der Gesellschaft von den sie beherrschenden Mächten
- Ein Projekt, 1981
[pdf - 291 KB]
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Während in der antiautoritären Bewegung der BRD
1968 die Idee der direkten
Demokratie dergestalt Fuß fasste und sogar der damalige
Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wie auch der FDP-Vorsitzende
Hans-Dietrich Genscher wie auch seine Partei in ihrer
Wahlplattform 1969 sich aufgeschlossen dafür zeigten,
...
Genscher
in einem Artikel in der Zeitschrift »liberal«
Nr. 9/1968 [pdf - 22 KB]
FDP
Wahlplattform 1969 [pdf - 77 KB]
... wurde in der DDR mit einer bonapartistisch
gelenkten Volksabstimmung über eine neue Verfassung
im April 1968 das Element
der Volksgesetzgebung aus dem ursprünglichen Verfassungsrecht
der DDR eliminiert [Näheres dazu siehe im »Weimarer
Memorandum«
S. 26 ff ].
Synopse
der direkt-demokratischen Regelungen in der Gründungsverfassung
der DDR vom 7. Oktober 1949 und in der neuen, durch Volksentscheid
geänderten Verfassung vom 9. April 1968
[pdf - 13 KB]
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Kiesinger
in seiner Neujahrsansprache
1969 [pdf - 257 KB]
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Auszug aus der Regierungserklärung Willy Brandts
vom 28. Oktober 1969

Vereidigung von Bundeskanzler
Willy Brandt durch den Präsidenten des Bundestages,
Kai Uwe von Hassel.
»Wir
wollen mehr Demokratie wagen.
Wir werden unsere Arbeitsweise öffnen und dem kritischen
Bedürfnis nach Information Genüge tun. Wir werden
darauf hinwirken, daß durch Anhörungen im Bundestag,
durch ständige Fühlungnahme mit den repräsentativen
Gruppen unseres Volkes und durch eine umfassende Unterrichtung
über die Regierungspolitik jeder Bürger die Möglichkeit
erhält, an der Reform von Staat und Gesellschaft mitzuwirken.
[...]
Die
Regierung kann in der Demokratie nur erfolgreich wirken,
wenn sie getragen wird vom demokratischen Engagement der
Bürger. Wir haben so wenig Bedarf an blinder Zustimmung,
wie unser Volk Bedarf hat an gespreizter Würde und
hoheitsvoller Distanz.
Wir suchen keine Bewunderer;
wir brauchen Menschen, die kritisch mitdenken, mitentscheiden
und mitverantworten. Das Selbstbewußtsein dieser Regierung
wird sich als Toleranz zu erkennen geben. Sie wird daher
auch jene Solidarität zu schätzen wissen, die
sich in Kritik äußert.
Wir sind keine Erwählten;
wir sind Gewählte. Deshalb suchen wir das Gespräch
mit allen, die sich um diese Demokratie mühen. In den
letzten Jahren haben manche in diesem Lande befürchtet,
die zweite deutsche Demokratie werde den Weg der ersten
gehen. Ich habe dies nie geglaubt. Ich glaube dies heute
weniger denn je. Nein: Wir stehen nicht am Ende unserer
Demokratie, wir fangen erst richtig an.«
Zitat
aus der Regierungserklärung Willy Brandts vom 28. Oktober
1969 [
als
pdf - 437 KB]
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Zwar reflektierte der allgemeine Slogan
»Wir wollen mehr Demokratie wagen« in Willy
Brandts erster Regierungserklärung vom 28. Oktober
1969 diese konkrete Entwicklung noch in abstrakter Form,
aber die von der sozial-liberalen Koalition 1970 eingesetze
Enquete-Kommission »Verfassungsreform« - der
Anstoß dazu ging 1969 von der FDP aus - kam in ihrem
Schlussbericht 1976 zu der Konklusio, die plebiszitäre
Demokratie gerade nicht zu empfehlen, und das Parlament
folgte 1978 dieser Empfehlung einmütig.
FDP
Wahlplattform 1969 [pdf - 77 KB]
Wilfried
Heidt, Der Kampf ums Plebiszit oder: Eintreten für
das Selbstverständliche - Was bei der Volksgesetzgebung
beachtet werden muss und wie das Ziel zu erreichen ist,
1984, S. 3 ff [pdf - 125 KB]
Achberger
Memorandum, 1987, S. 4 ff
Kurzprotokoll
der 22. Sitzung der Enquete-
Kommission »Verfassungsreform«
am 26. September 1975, [pdf - 43 KB]
Kurzprotokoll
der 28. Sitzung der Enquete-
Kommission »Verfassungsreform«
am 20./21.. Februar 1976, [pdf - 23 KB]
Schlussbericht
der Enquete-Kommission Verfassungsreform vom 9. Dezember
1976
[pdf 626 KB]
Bundestagsdebatte
zum Schlussbericht der Enquete-Kommission Verfassungsreform
vom 17. Februar 1978 [pdf 1,5 MB]
In der Verweigerung, die direkt-demokratischen
Ideen und Impulse von 1968/69 konsequent aufzugreifen, liegt
der entscheidende Grund dafür, dass sich die außerparlamentarische
Opposition der siebziger Jahre in Gestalt der zahlreichen
Bürgerinitiativen insbesondere der Umwelt- und Friedens-Bewegung
schließlich zur Partei Die Grünen zusammenschloss
und 1983 erstmals in den Bundestag gewählt wurde.

Der Deutsche Bundestag
billigt am 22.11.1983 die Stationierung neuer US-Mittelstreckenwaffen.
Die Abgeordneten der Grünen protestieren dagegen
mit Friedenstüchern

Die Grünen im Bundestag
1983 [v.r. Petra Kelly, Marieluise Beck-Oberdorf, Otto Schily]
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Plakat
zur Landtagswahl in NRW, Juni 1970
[pdf - 305] *)
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Joseph Beuys im Büro
für direkte Demokratie
auf der documenta 5 in Kassel, 1972 *)


Vor-
und Rückseite einer Plastiktasche von Joseph Beuys,
die er bei seinem Beitrag zur Documenta V ["Büro
für direkte Demokratie durch Volksabstimmung"]
1972 in Kassel zum Einsatz brachte.
als
pdf [265 KB]
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*) Dokumente aus dem Buch
»Denker, Künstler, Revolutionäre«
[Hrsg. Rainer Rappmann, 1996]
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4. Ab 1973
beteiligte sich Joseph Beuys im Rahmen des Internationalen
Kulturzentrums Achberg an den von dort ausgehenden Initiativen
und Projekten [insofern Wilfried Heidt dafür verantwortlich
war].
»Joseph
Beuys und seine Quellen« auf der Homepage des WIEGE-Institutes
Das betraf auch die Zusammenarbeit, die 1979/80
in Gemeinschaft mit zunächst einigen weiteren
Gruppierungen der ökologischen Bewegung zur Gründung
der Partei »Die Grünen« führte.
In diesem Projekt spielte die Idee der direkten Demokratie
von Anfang an programmatisch eine wichtige Rolle, welcher
freilich nicht von allen Strömungen der gleich hohe
Rang wie vom »Achberger Kreis« und der
»Free Internationale University« [Beuys]
eingeräumt wurde.
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Programm
des »Achberger Kreises« zur Bundestagswahl 1980
[pdf - 1,3 MB]
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Die
Grünen, Materialien für den Kongress Mündige
Demokratie durch Volksentscheid,
25. Februar 1984 [pdf - 210 KB]
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Speziell kommunistische Kräfte bei den Grünen
kämpften dagegen. So erschien es uns in den Jahren
1982/83
notwendig geworden zu sein, für das Ziel der
»dreistufigen Volksgesetzgebung« eine von den
Grünen unabhängige, überparteiliche Bürgerinitiative
zu gründen und um die Jahreswende
1983/84 als AKTION VOLKSENTSCHEID zu starten [s.
oben »erste
Petition«].
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............... doch niemals hat sich eine der im Bundestag vertretenen
Parteien dieses Anliegen zu eigen gemacht.
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In dieser Situation bildete sich im Arbeitszusammenhang
des 1971 gegründeten Internationalen Kulturzentrums Achberg eine
Forschungsgruppe, welche sich die
Aufgabe stellte, den ganzen Komplex der Volksgesetzgebung unter
den verschiedensten Aspekten in ihrer Entwicklung seit der Französichen
Revolution und insbesondere der deutschen Geschichte des 19. und
20. Jahrhunderts zu erkunden.
Diese Arbeit führte zu der Erkenntnis, dass die weit verbreiteten
Ansichten zu dem ganzen Thema wenig überzeugend begründet und
zum Teil schon durch bisher nicht publizierte Quellen –
zum Beispiel die Arbeit des Parlamentarischen Rates 1948/49 betreffend
– zu widerlegen waren.
Obwohl die Forschungsgrupppe noch längst nicht alle Fragen geklärt
hatte, entschloss man sich im
Laufe des Jahres 1983 zu einer
politischen Initiative: Zur
»Aktion Volksentscheid«, die am 28.
Dezember 1983 mit einer Petition
an den Deutschen Bundestag herantrat, er möge in
Ausführung des Grundgesetzes Artikel 20 Absatz 2 nach der
Idee einer »dreistufigen Volksgesetzgebung«
ein »Bundesabstimmungsgesetz« beschließen, um dergestalt die Möglichkeit
zur außerparlamentarischen Gesetzesinitiative und für Volksbegehren
zum Volksentscheid zu eröffnen.
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Petition
mit Begleitschreiben an den Petitionsauschuss des Deutschen Bundestag
vom 28. 12. 1983 [pdf - 75 KB] |
Brief
der Initiative an die Abgeordneten des Bundestags vom 15. 1. 1984
[pdf - 7 KB] |
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Zugleich trat die Initiative mit einer ganzseitigen Anzeige
in der Wochenzeitung »Die Zeit« [Nr. 1/1984] an die Öffentlichkeit.
Mit »Zustimmungserklärungen« konnte
man der Initiative
beitreten und so der Volksvertretung signalisieren, dass viele
Bürgerinnen und Bürger das vorgelegte Anliegen unterstützen.
Als
Anzeige in die Zeit Nr. 1/1984
veröffentlichte Petition [pdf
- 210 KB]
Das Echo war groß. Binnen weniger Wochen waren - noch ohne Internet!
- über 100 000 Zustimmungserklärungen eingegangen, die vor der
Befassung des Bundestages mit der Petition
am 4. 10. 84 der Volksvertretung
zugeleitet wurden.
Von zwei Ministerien wurden Gutachten zur Petition
eingeholt. Die Initiative antwortete mit dem Memorandum »Ist
das Grundgesetz anti-plebiszitär?«
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Schreiben
des Justiz- an das
Innenministerium vom 16. 4. 1984 [pdf - 11 KB]
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Stellungnahme
des Innenministeriums zur Petition vom 24. 4. 1984 [pdf - 70 KB]
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B. Hasen-Müller / W. Heidt: Ist das Grundgesetz »anti-plebiszitär«
Mai 1984 [pdf - 170 KB]
Im Petitionsauschuss wurde die Initiative von der Vertreterin
der Grünen, Christa Nickels, engagiert unterstützt.
Der Ausschuss gab am 13. September 1984
an den Bundestag die Beschlussempfehlung, den Antrag anzunehmen.
Beschlussempfehlung
des Petitionsausschusses an den Bundestag vom 13. 09. 1984 [pdf
- 23 KB]
Der Bundestag debattierte die Petition am
4. Oktober 1984 und lehnte sie ab.
Protokoll
der Bundestagsdebatte
vom 4. 10. 1984 [pdf - 428 KB]
Abschlussbericht
des Petitionsausschusses vom 5. 10. 1984 [pdf - 19 KB]
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Christa Nickels im Bundestag
während der Nachrüstungsdebatte im November 1983
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| Das war der Auftakt
im Prozess der Bildung der Bewegung für
direkte Demokratie in Deutschland nach der Konzeption der
»dreistufigen Volksgesetzgebung«. Sie vermochte zwar keine einheitliche
Organisation zu bilden, hat aber mit verschiedenen Initiativen und
Projekten auf Landes- und Gemeindeebene mit Erfolg dafür gewirkt,
dass heute in allen Landesverfassungen und in den meisten Gemeindeordnungen
dem politischen Engagement der Aktivbürgerschaft direktdemokratische
Regelungen - wenn auch meist in noch nicht optimaler Ausgestaltung
- zur Verfügung stehen und auch immer wieder zum Einsatz kommen. |
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Auswahl von Erstunterzeichnern der Aktion
Volksentscheid
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Das Organ der Aktion Volksentscheid:
»Die Demokratie« - Nr. 1 Mai 1984
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In dem Rundbrief vom 10. Mai 1984, der an alle, mit »Aktion
Volksentscheid« in Verbindung stehenden Menschen geschickt
wurde, findet man neben Informationen rund um die Initiative auch
die Idee und das Vorhaben, beim Bundespostminister drei
Sonder(Brief)marken zu beantragen. Dazu war die Gründung
der »Stiftung Deutsche Demokratiehilfe« geplant, der
zur Finanzierung der Kampagne der »Aktion Volksentscheid«
der Zuschlag auf den Briefmarken
(+40, +30, +20) zufließen sollte.
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Die drei Motive auf den Briefmarken der »Stiftung
Deutsche Demokratiehilfe - Aktion Volksentscheid«:
»Hase mit Sonne« (Josef Beuys 1982), Die drei Hasen
am Dom zu Paderborn, Ein Motiv aus dem Fernen Osten.
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1987 - 1990 / 11. Legislatur [18.2.87
- 20.12.90]
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»Achberger
Memorandum«
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Die zweite Petition
[1987/88]
Das »Achberger Memorandum« ist der erweiterte Begründungstext
für die am 23. Mai 1987
dem XI. Deutschen Bundestag eingereichte
Petition der Initiative Volksentscheid zum 23.
Mai 1989«.
zum
Text der Petition vom
23. Mai 1987 [pdf - 830 KB]
Sie schließt an die erste Petition
zur Regelung eines Bundesabstimmungsgesetzes vom 28.
Dezember 1983 an, die vom Bundestag am 4.
Oktober 1984 in einer Plenumsdebatte abgelehnt worden ist.
Es zeigte sich, dass die Abgeordneten in ihren Vorstellungen zur
Sache ganz und gar im Kielwasser des Berichtes der Enquete-Kommission
»Verfassungsreform«, die 1976
ihren Schlussbericht vorlegte, segelten ...
Schlussbericht
der Enquete-Kommission Verfassungsreform vom 9. Dezember 1976
[pdf 626 KB]
Bundestagsdebatte
zum Schlussbericht der Enquete-Kommission Verfassungsreform vom
17. Februar 1978 [pdf 1,5 MB]
... und unfähig oder unwillig
waren, sich mit unserer Argumentation zu befasssen. Deshalb verlangten
wir im ersten Punkt der Petition die Einsetzung einer neuen Enquete-Komission
»Ausgestaltung des Abstimmungsrechtes«:
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zum
Text des Achberger
Memorandums [pdf - 324 KB]
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In den weiteren Punkten verlangt
die Petition zum 40. Jahrestag des Inkrafttretens des Grundgesetzes
am 23. Mai 1989 eine Volksabstimmung
über die Ermöglichung der Volksgesetzgebung. In dieser
Hinsicht bringt die Petition die sowohl konzeptionelle Weiterentwicklung
der Idee der direkten Demokratie zur »dreistufigen Volksgesetzgebung«
als auch die theoretische Vertiefung des Prinzips der Volkssouveränität
in seiner ambivalenten historischen Entwicklung insbesondere in
der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts u. a. aufgrund
von bisher unveröffentlichten Quellen aus den Protokollen des
Parlamentarischen Rates [1948/49].
Das Ziel der Petition war es,
zum 40. Jahrestag des Inkrafttretens des Grundgesetzes einen Volksentscheid
über die Einführung der Volksgesetzgebung durchzuführen. Weil
der Bundestag am 5. Mai 1988
auch dieses Projekt ablehnte, hat die Initiative zum 23. Mai 89
mit einem »Stimmbrief« eine selbstorganisierte
Abstimmung in Gang gesetzt. Diese Kampagne, der im Juni
1989 mit dem Projekt des »Weimarer
Memorandums« [s. unten 1989] eine aus der Verfassungsgeschichte
der DDR entwickelte Parallinitiative zur Seite trat, wurde zum
bisherigen Höhepunkt der Bewegung für direkte Demokratie in Deutschland.
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Stellungnahme
des Bundesministeriums
des Innern an den Petitionsausschuss
vom 16. 7. 1987 [pdf - 73 KB]
Auf die Stellungnahme des Innenministeriums
antwortete die Initiative am 16. 1.
1988
Antwort
der Initiative auf die Stellungnahme des BMI vom 26. 1. 1988 [pdf
- 39 KB]
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Der Bundestag debattierte die Petition am 5.
Mai und folgte in seiner Entscheidung der Beschlussempfehlung
des Petitionsauschusses, die Petition den Parlaments-Fraktion
zu übergeben.
Protokoll
der Bundestagsdebatte
vom 5. Mai 1988 [pdf - 408 KB]
Schlussbericht
des Petitionsaussschusses an die Initiative vom 10. 5. 1988 [pdf
- 19 KB]
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Für den selbstorganisierten Volksentscheid:
Die Stimmbriefbox (o.) und Teile des Stimmbriefes (u.)


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Das Parallelprojekt für die
DDR
»Weimarer Memorandum« [1989]
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Das «Weimarer Memorandum» entstand
seit 1987 im Vorblick auf den 7. Oktober
1989, den 40. Jahrestag der Gründung der Deutschen Demokratischen
Republik. Seine Funktion ergab sich aus der Einschätzung, daß
im Vorfeld und Umfeld dieses Jahrestages - aufgrund der Entwicklungen,
die, mit dem Namen Gorbatschows verbunden, seit 1985 im «sozialistischen
Lager» in Gang kamen - optimale Bedingungen entstanden waren
für eine «demokratische Revolution» in der DDR, die hätte vollenden
können, was in Europa mit 1789 begann.
zum
Text des Weimarer
Memorandums [pdf - 693 KB]
Das Projekt sollte am 17.
Juni 1989 gestartet werden, wurde aber von Kräften
hintertrieben, die in seinem direktdemokratischen Charakter
eine Störung ihrer Parteigründungsambitionen, die
sie »Demokratischer Aufbruch« nannten, sahen. So
blieb der Demokratie-Bewegung in der BRD nur die Möglichkeit,
den »7. Oktober«
strategisch indirekt mit einem »Offenen Brief« im
Spiel zu halten.
Offener
Brief aus der Demokratiebewegung
der Bundesrepublik - Eine Botschaft zum
7. Oktober 1989 [pdf - 49 KB]
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In Folie eingeschweißt und an Luftballons
befestigt, trieben die »Offenen Briefe ...«
vom Wind getragen über die Mauer nach Ost-Berlin.
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Aufruf der DI90/Sektion
DDR
vom 1. Januar 1990 [pdf
- 69 KB]
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Die dritte Petition [1990]
Mit dem im »Achberger« bzw. im
»Weimarer Memorandum« dargestellten und auf 1989
bezogenen Doppelprojekt einer 2. Petition war unser Verständnis
jener historischen Periode verbunden, die - in Deutschland exemplarisch
- die Welt in den gesellschaftlichen Gegensatz der Systeme des
Kapitalismus einerseits und des Kommunismus andererseits gebannt
hatte. Dieses Verständnis war von der Überzeugung geprägt,
dass dieser Gegensatzes im Hinblick auf die damit gestellten fundamentalen
gesellschaftlichen Entwicklungsaufgaben der Menschheit zeitgemäß
nur dadurch zu überwinden sei, dass auf beiden Seiten mit
der Volkssouveränität Ernst gemacht werde.
Wie wir in den zwei Memoranden nachzuweisen
suchten, wäre das das aus beiden ideologischen Traditionen
mögliche gemeinsame Fundament gewesen, um, durch demokratische
Mehrheiten legitimiert, Schritt für Schritt an der Schwelle
eines neuen Jahrhunderts den fälligen gesellschaftlichen
Wandel jenseits der ideologischen Konfrontation und Stagnation
in Gang zu setzen.
Aus dem Geist dieser Perspektive entstand während
einer Konferenz um die Jahreswende 1989/90
im Internationalen Kulturzentrum Achberg mit mehr als 200 Teilnehmern
aus Ungarn, der DDR, der BRD, Österreich und der Schweiz
am 1. Januar die »Demokratie
Initiative 90«. Deren DDR-Sektion startete sofort
von Leipzig aus für eine Eingabe an die Volkskammer eine
Unterschriftensammlung. In einem
"Aufruf" wurde zum 7. Oktober
1990 ein "Volksentscheid über die Aufnahme der
Volksgesetzgebung in die Verfassung und das Recht des Volkses,
seine neue Verfassung selbst zu
erarbeiten und zu beschließen" gefordert.
Aufruf vom 1.
Januar 1990 [pdf - 69 KB]
Für den 2. Teil der Aufgabe, die DDR auf
dem Fundament der Volkssouveränität mit einer neuen
Verfassung neu zu begründen, entwickelte die DI 90 einen
erweiterten Vorschlag und brachte ihn am 13.
Januar 1990 in die Debatte ein.
Wie
will das Volk der DDR zu
seiner neuen Verfassung kommen?
vom 13. 1. 1990 [pdf - 173 KB]
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Von mehreren Echos, die es auf diese Initiative
in der Presse der DDR gab, dokumentieren wir die beiden nachstehenden
Beispiele:
Union
[Organ der DDR-CDU] com 24. 1. 1990 [pdf - 368 KB]
Sächsische
Zeitung [Dresden] vom 27./28. 1. 1990 [pdf - 240 KB]
Diese ersten Schritte der DI 90 am Jahresanfang 1990 mündeten
nach den ersten freien Wahlen in der DDR am 18.
März 1990 zu unserer dritten
Petition, die jetzt an beide deutschen Parlamente adressiert
war.
Petition
der »Demokratie-Initiative 90« Sektion DDR an die
Volkskammer der DDR
vom 6. April 1990 [pdf - 160
KB]
Petition
der »Demokratie-Initiative 90« Sektion BRD an den
Deutschen Bundestag
vom
5. Mai 1990 [pdf - 166 KB]
Petition
der »Demokratie-Initiative 90« Sektion BRD an die
Volkskammer der DDR
vom
23. Mai 1990 [pdf - 312 KB]
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| Mit dem Wahlergebnis vom 18.
März war klar geworden, dass diejenigen in der DDR,
die ihren Staat nicht aufgeben, sondern grundlegend erneuern wollten,
bei weitem in der Minderheit waren. Insofern hatte die Zwickauer
Tagung »Aufbruch zu neuen Ufern?« im April
1990 bereits eine europäische
Perspektive, die zu dem Projekt »Europäisches
DialogForum« und später
[1999]
zur Gründung der IG-EuroVision
führte. |
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Europäisches Dialogforum
Gründungsgedanke und erstes Projekt [pdf - 20 KB]
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Einladung
zur Zwickauer Tagung
»Aufbruch zu neuen Ufern?« vom 11-16. April 1990
[pdf - 333 KB]
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Zur
Gründung der IG-Eurovision am 24. Juli 1999: die »BodenseeErklärung«
[pdf - 55 KB]
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Die Mehrheit erhielten jene Parteien, die auf
eine möglichst rasche Vereinigung mit der BRD drängten,
d. h. für die Liquidation der DDR und schnellstmöglichen
Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes eintraten. Damit
waren die Weichen definitiv für diesen Weg zur nationalen
Einheit gestellt. Auch von den Regierungsparteien in der BRD -
CDU/CSU und FDP - ging diese Intention aus: Vereinigung über
den Beitritt der neuen Bundesländer zum Geltungsbereich des
Grundgesetzes nach Art. 23 GG und nicht nach Art. 146 GG durch
Volksentscheid zu realisieren.
Während die Regierungsparteien in der BRD und der DDR dies
im Einigungsvertrag vom 31. August 1990
entschieden, in beiden Parlamenten beschlossen, den 3.
Oktober als Tag der Vereinigung vereinbarten und den 2.
Dezember als Datum für die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl
festlegten, brachten Die Grünen in den letzten Wochen der
11. Legislaturperiode außer ihrer Forderung, die Einheit
durch Volksentscheid über eine neue Verfassung zu beschließen,
am 6. 11. 1990 einen Gesetzentwurf
zur Einführung der »unmittelbaren Gesetzgebung des
Bundes: Volksinitiative, Volksbegehren, Volksentscheid«
ein.
In
der Bundestagsdebatte über das Einigungsvertragsgesetz vom
20. 9. 1990 begründet der Abgeordnete G. Häfner den
Antrag der Grünen zur Einführung der dreistufigen Volksgesetzgebung
vorweg. [pdf - 450 KB]
Der
Antrag wird am 6. 11. 1990 im Bundestag eingebracht [pdf - 170
KB]
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1990 - 1994 / 12. Legislatur [20.12.90
- 20.11.94]
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Die parlamentarische Arbeit der 12. Legislatur stand natürlich
ganz im Zeichen der Beschlüsse über das Einigungsvertragsgesetz
vom 31. August 1990. Sie mussten
nun in das Verfassungsrecht und die übrige Gesetzgebung umgesetzt
werden. Für unser Projekt waren dabei jene beiden Dinge von
Bedeutung, die wir in Konsequenz der historischen Entwicklungen
der Wendezeit nach dem Gedanken »1989
endet 1994« - auf die neue Situation bezogen - seit
der Jahreswende 89/90 in Angriff genommen hatten: Zu einen der
Weg zu einer neuen Verfassung - also die Frage, ob die Vereinigung
der beiden deutschen Staaten [nach Art. 146 GG] durch einen Volksentscheid
[eventuell über eine neue Gesamtverfassung] besiegelt werden
sollte, zum andern stand ja weiterhin und jetzt so explizit wie
nie zuvor in der Bonner Republik auch die Frage der dreistufigen
Volksgesetzgebung weiterhin auf der Tagesordnung.
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Rundbrief
Winter 1990/91 »1989 endet 1994« [
pdf - 373
KB]
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Der Vorschlag der »Demokratie-Initiative 90« für
den demokratischen Weg
zur gesamtdeutschen Verfassung:
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Wir gehörten in der entstandenen historischen Situation zu
jenen, die der Ansicht waren, das Grundgesetz der BRD verlange
gem. seines Artikels 146 jetzt
die Erarbeitung einer neuen Verfassung
und deren plebiszitären Beschluss. Aus der Idee der »dreistufigen
Volksgesetzgebung« entwickelten wir den Vorschlag für
ein entsprechendes Verfahren und legten diesen am 5.
Mai 1990 durch die Anfang des Jahres gegründete »Demokratie-Initiative
90« in der DDR der Volkskammer und in der BRD dem Bundestag
auf den Tisch. Aber weder dieser noch jene wollten sich vor den
ersten gesamtdeutschen Wahlen mit den Eingaben auch nur befassen.
In der Verfassungskommission lehnten die Vertreter/innen der
Regierungskoalition [CDU/CSU und FDP] alle entsprechenden Bestrebungen
ab.
Bericht
und Beschlussempfehlungen der Gemeinsamen Verfassungskommission,
vom 5. November 1993 [pdf 322 KB]
Die Grünen und die PDS teilten in der Verfassungsfrage die
auch von uns vertretene Position, Die Grünen - dabei auf
unsere Arbeit Bezug nehmend - im Prinzip auch hinsichtlich der
Volksgesetzgebung. Sie legten in der Folge ihrerseits entsprechende
Gesetzentwürfe vor - die PDS ab 1997.
Gesetzentwurf
der Grünen »zur Einführung von Volksinitiative,
Volksbegehren und Volksentscheid im Grundgesetz«, vom 25.
November 1992 [pdf 800 KB]
Bundestagsdebatte
zum Gesetzentwurf der Grünen [25. 11. 92], vom 12. Februar
1993
[pdf 685 KB]
Die SPD beschränkte sich auf zahlreiche Änderungsanträge
für einzelne Verfassungsartikel, brachte aber erstmals auch
einen Antrag zur dreistufigen Volksgesetzgebung ein. Die PDS unterstützte,
ebenfalls mit ausdrücklichem Hinweis auf unsere Arbeit, die
Initiative der Grünen.
Gesetzentwurf
der Fraktion der SPD zur Einführung von Volksinitiative,
Volksbegehren und Volksentscheid, vom 1. Dezember 1993 [pdf
800 KB]
Gesetzentwurf
der PDS über die Annahme einer neuen Verfassung nach Artikel
146 des Grundgesetzes vom 12. Januar 1994 [pdf 820 KB]
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Die
Tafeln als pdf [100 KB]
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Die
Grünen: Entwurf eines Gesetzes zur Verfassungsreform, vom
27. Januar 1994
[pdf 455 KB]
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Die
Grünen: Durchführung eines Verfassungsreferendums nach
Art. 146 des Grundgesetzes, vom 1. Februar 1994
[pdf 90 KB]
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| Alle diese Bestrebungen wurden von
den Regierungsparteien abgelehnt. So endete
»1989« parlamentarisch. Die Deutschen waren trotz
aller Ereignisse ihre Geschichte im 20. Jahrhundert auch an dessen
Ende noch nicht fähig, die »Staatsgewalt« (Volkssouveränität)
zu ergreifen. |
Beschlussempfehlung
und Bericht des Rechtsausschusses über die Ergebnisse der Gemeinsamen
Verfassungskommission, vom 28. Juni 1994 [pdf 640 KB] |
Abschließende
Verfassungsdebatte des Bundestags, vom 30. Juni 1994 [pdf
2,3 MB] |
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Die vierte Petition [1992/94]
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Im Vertrag zur deutschen Einheit gab es die Bestimmung, dass
alle damit erforderlich gewordenen Änderungen des Grundgesetzes
durch eine Verfassungskommission zu klären und über
deren Empfehlungen dann durch den Gesetzgeber zu entscheiden sei.
Als Termin dafür wurde der letzte Sitzungsmonat der 12. Legislaturperiode
[Juni 1994] bestimmt. Die Kommission
hatte auch den Auftrag, die Frage der Ausgestaltung des plebiszitären
Elementes im Grundgesetz zu prüfen. Diese Vereinbarung ergab
sich daraus, dass in den Wochen des Wendeprozesses in der DDR
abgeleitet aus der Parole »Wir sind das Volk«
die Forderung nach Ermöglichung der Volksgesetzgebung,
nicht nur im Zusammenhang mit dem Projekt des »Weimarer
Memorandums« und der »Demokratie-Initiative 90«
[siehe oben 11. Legislatur], sondern auch am »Runden Tisch«
eine starke Bedeutung gewonnen hatte.
Doch in der Verfassungskommission lehnten die Vertreter/innen
der Regierungskoalition [CDU/CSU und FDP] alle entsprechenden
Bestrebungen ab. Die SPD und Bündnis 90/Die Grünen brachten
deshalb im Bundestag - letztere unter Bezugnahme auf unsere Aktivitäten,
ohne diese freilich explizit zu unterstützen -, eigene Gesetzentwürfe
zur Regelung der »dreistufigen Volksgesetzgebung«
ein. Die PDS unterstützte die Initiative der Grünen,
die Regierungsmehrheit stimmte dagegen.
Gesetzentwurf
der Gruppe
Bündnis 90/Die Grünen zur Einführung der dreistufigen
Volksgesetzgebung vom 25. November 1992 [pdf - 804 KB]
Protokoll
der Bundestagsdebatte [1. Lesung] zum Gesetzentwurf der Gruppe
Bündnis 90/Die Grünen
vom 5. November 1993 [pdf - 685 KB]
Bericht
der Gemeinsamen
Verfassungskommission vom
5.
November 1993 [pdf - 326 KB]
Gesetzentwurf
der Fraktion der SPD zur Einführung der unmittelbaren Bürgerbeteiligung
durch Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid sowie
zur Einführung von Bestimmungen zur Massenpetition vom 1.
Dezember 1993 [pdf - 2 MB]
Wir entschlossen uns zugleich zu einer weiteren Petition [3.
März 1994] mit dem Verlangen, über den von uns
vertretenen Gesetzentwurf gleichzeitig mit der Bundestagswahl
am 16. Oktober 1994 einen Volksentscheid
zu veranlassen. Die PDS unterstützte diese Forderung explizit.
Zugleich wurde die öffentliche Aufklärungsarbeit mit
einer Intensivierung der Unterschriftenkampagne [Willenserklärung]
fortgesetzt. Doch wie schon zuvor war es ohne Medienunterstützung
aussichtslos, von den nach Umfragen mehr als Zweidrittel dem Anliegen
Zustimmenden Bürgerinnen und Bürgern so viele - nämlich
zwischen zehn und zwanzig Millionen - zu mobilisieren, dass es
eine Aussicht auf Erfolg hätte geben können.
Petition
an den Deutschen Bundestag
vom 03. 03. 1994 [pdf - 112 KB]
Gesetzentwurf
der Gruppe PDS/Linke Liste über die Annahme einer neuen Verfassung
nach Artikel 146 GG vom 12. Januar 1994 [pdf 816 KB]
Entwurf der
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